Vor ein paar Wochen ist eine Studie aus den USA erschienen, die mich ziemlich beschäftigt hat. Forscher einer großen Universität an der Ostküste haben über mehrere Jahre hinweg Menschen begleitet, die sich eine grundlegende Veränderung in ihrem Leben wünschten, beruflich, finanziell oder in ihrer Beziehung. Das Ergebnis war eindeutig: Rund drei Viertel von ihnen hatten auch nach fünf Jahren nichts verändert. Der Grund dafür lag nicht darin, dass ihnen Wissen oder Möglichkeiten fehlten, sondern weil sie ihre Veränderung aufgeschoben haben, auf einen Moment, der nie gekommen ist. Die Forscher haben diesem Muster sogar einen Namen gegeben. Sie nennen es das „Bis-Syndrom“. Klingt krass, oder? Vielleicht hast Du beim Lesen sogar kurz genickt und Dich still gefragt, ob Du auch zu diesen drei Vierteln gehörst.
Bullshit. Diese Studie gibt es nicht. Ich habe sie mir gerade ausgedacht, aber trotzdem hat sie sich für Dich einen Moment absolut wahr angefühlt. Weißt Du, warum? Weil Du das Muster längst kennst, und zwar nicht aus einer Studie, sondern von Dir selbst.
Das Bis-Syndrom: Warum wir Veränderung aufschieben
Das Bis-Syndrom, das gibt es wirklich. Es braucht keine Universität, um es nachzuweisen, weil Menschen es jeden Tag ganz von allein erfinden, um ihre Verantwortung ein kleines Stück in die Zukunft zu schieben oder auf die Schultern von jemand anderem zu packen.
„Ich fange an, wenn mein Partner endlich mitzieht.“
„Ich warte mit dem Seminar, bis mein Arbeitgeber es mir bezahlt.“
„Ich kümmere mich um mich, wenn die Kinder größer sind.“
„…bis mehr Geld da ist.“
„…bis es in der Firma ruhiger wird.“
„…bis der richtige Zeitpunkt kommt.“
Bis, bis, bis.
Das Verrückte ist, dass sich jedes einzelne dieser „Bis“ vernünftig, erwachsen, sogar verantwortungsvoll anfühlt. Nur kommt dieses „Bis“ nicht. Es verschiebt sich einfach mit, jedes Jahr ein Stück weiter, und irgendwann merkst Du, dass Du nicht auf den richtigen Moment gewartet hast, sondern auf eine Erlaubnis, die Dir niemand außer Dir selbst geben kann.
Freiheit oder Sicherheit: Was willst Du wirklich?
Worauf genau wartest Du eigentlich? Wenn ich Menschen frage, was sie sich wünschen, bekomme ich fast immer eine ähnliche Antwort: mehr Geld, mehr Freiheit, eine gute Beziehung, gesund und unabhängig sein, weiterkommen im Leben, und irgendwo dazwischen der Wunsch nach etwas mehr Leichtigkeit. Ich meine das überhaupt nicht ironisch, denn im Grunde wollen wir alle dasselbe, ein Leben, das sich von innen gut anfühlt. Nur stelle ich an dieser Stelle gern eine Frage, die viele erst einmal irritiert: Was meinst Du eigentlich, wenn Du sagst, dass Du das willst?
Was bedeutet Freiheit für Dich? Erfolg? Beziehung?
Und vor allem: Was verstehst Du unter Leichtigkeit?
Denn genau hier beginnt oft schon das erste Missverständnis.
Vor vielen Jahren saß ein Mann vor mir und sagte, er wolle endlich frei sein. Wir haben lange geredet, über seine Arbeit, über Geld und über all die Verpflichtungen, die ihm schon beim Aufwachen im Nacken saßen, und irgendwann lag es ganz ruhig auf dem Tisch: Er wollte gar keine Freiheit. Er wollte Sicherheit, die sich anfühlt wie Freiheit. Das ist ein gewaltiger Unterschied, denn Freiheit verlangt etwas, das Sicherheit Dir nie abverlangen würde. Wer sich selbstständig macht, bekommt keine Garantie, wer sichtbar wird, über den wird geredet, und wer sich verändert, wird manchmal gerade von den Menschen nicht mehr verstanden, die ihn am längsten kennen.
In Beziehungen sieht man das besonders deutlich. Viele wünschen sich einen starken Partner, und wenn man genauer hinhört, heißt das oft: einen starken Partner, solange seine Stärke nicht gegen meine Vorstellungen läuft. Das ist nicht böse gemeint. Dahinter steckt meistens schlicht die Angst, Kontrolle zu verlieren, sobald der andere eine eigene Meinung, eigene Grenzen und ein eigenes Leben hat.
Kein Geld für Persönlichkeits-entwicklung? Für tausend andere Dinge schon
Beim Thema Geld wird es dann richtig ehrlich. Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen mir sagen, wie sehr sie in ihre Persönlichkeitsentwicklung investieren wollen, wie deutlich sie spüren, dass jetzt etwas passieren muss, und im selben Atemzug kommt der Satz: „Aber dafür habe ich gerade kein Geld.“ Ich glaube Dir, dass es sich so anfühlt. Und trotzdem lohnt sich ein ehrlicher Blick darauf, wofür das Geld in den letzten Monaten da war, für den Urlaub, das neue Handy, die vielen kleinen Dinge, die wir uns gönnen, damit wir das, was eigentlich drückt, ein bisschen weniger spüren. Für tausend andere Sachen war es da, nur für das Eigentliche nicht. Das ist kein Vorwurf, das ist ein Spiegel, denn dort, wo Dein Geld hinfließt, zeigt sich, was Dir wirklich wichtig ist, und manchmal auch, wovor Du Dich am liebsten drückst.
Ihr kennt den Satz von mir: „Räum Deinen Scheiß auf.“ Ich höre ihn inzwischen ziemlich oft von meinen Teilnehmern zurück, in Nachrichten, in Kommentaren, auf Instagram, in Gesprächen. Jedes Mal freue ich mich ein bisschen und frage mich aber gleichzeitig, wie viele von denen, die ihn wiederholen, tatsächlich angefangen haben ihre Scheiße aufzuräumen. Den Satz zu sagen kostet nichts. Ihn zu leben kostet etwas, Zeit, Geld, Mut, ein unbequemes Gespräch und die Bereitschaft, genau dort hinzuschauen, wo Du bisher lieber weggeschaut hast. Aufräumen ist kein Zitat, das man teilt, Aufräumen ist etwas, das man tut.
Du willst das Ergebnis der Veränderung, aber nicht die Bewegung
Die meisten Menschen wollen nicht die Veränderung, sie wollen das, was danach kommt, die Ruhe, die Nähe, die Selbstbestimmung, nur bitte ohne die Unsicherheit davor, ohne das Gespräch, das geführt werden muss, und ohne die Entscheidung, die jemandem vielleicht nicht gefällt. Und wenn Du Dich dann doch entscheidest, kommt oft nicht sofort die Erleichterung, sondern erst einmal der Kopf mit seinen Fragen, ob das richtig war, ob Du zu hart bist, zu egoistisch, zu viel. Vielleicht. Vielleicht bewegst Du Dich aber auch einfach zum ersten Mal wirklich, und wenn Du Dich bewegst, bewegt sich Dein Leben mit, Deine Beziehungen, Dein Verhältnis zu Geld und zu Arbeit und vor allem Deine Beziehung zu Dir selbst.
Leichtigkeit im Leben ist nicht dasselbe wie Bequemlichkeit
Viele Menschen verbinden Leichtigkeit damit, dass etwas leicht gehen muss, dass sich die Dinge einfach anfühlen, möglichst wenig Herausforderungen kommen, niemand enttäuscht wird und alle dem Prozess zustimmen, dass man keine schwierigen Entscheidungen treffen muss und alles irgendwie von der Hand fließt.
Aber was ist, wenn Leichtigkeit vielmehr bedeutet, dass Du aufhörst, gegen alles anzukämpfen, was gerade ist, damit überhaupt etwas Neues entstehen kann? Dass Du nicht mehr versuchst, jede Reaktion anderer Menschen zu kontrollieren, nicht jede Unsicherheit sofort beseitigen musst und nicht alles festhältst, nur weil Du Angst davor hast, was passieren könnte, wenn Du loslässt? Und genau hier wird es interessant, denn Leichtigkeit kann auch bedeuten, dass es erst einmal unbequem wird, aus dem einfachen Grund, dass Veränderung nun einmal Bewegung bedeutet.
Wir verwechseln Leichtigkeit ständig mit Bequemlichkeit. Bequemlichkeit will, dass nichts passiert, was Dich aus Deiner Sicherheit holt, dass alle Dich verstehen und dass Du Gewissheit hast, bevor Du den ersten Schritt machst. Leichtigkeit entsteht in dem Moment, in dem Du aufhörst festzuhalten, was längst nicht mehr zu Dir passt, und Dir selbst vertraust, obwohl Du noch nicht alles weißt. Im Wu Wei und letztlich in jeder echten Selbstregulation, geht es genau darum, nicht permanent zu drücken, zu ziehen und zu kontrollieren, sondern zu spüren, wann ein Schritt dran ist und wann Du aufhören darfst, etwas erzwingen zu wollen. Manchmal ist dieser Schritt erstaunlich unspektakulär, ein Gespräch, ein klares Nein, ein Ja, eine Anmeldung, die Du schon viel zu lange vor Dir herschiebst.
Selbstregulation und Co-Regulation als Trainer & Coach
Wenn Du als Coach arbeitest oder Menschen in irgendeiner Form begleitest, geht all das noch eine Ebene tiefer. Denn dann geht es nicht mehr nur um Dein eigenes Leben. Deine Klienten hören nicht nur, was Du sagst, sie spüren, wie Du da bist. Ihr Nervensystem orientiert sich an Deinem, lange bevor ihr Verstand überhaupt versteht, was im Raum gerade passiert. Das ist Co-Regulation, und sie funktioniert in beide Richtungen: Wenn Du ruhig bleibst, wo es eng wird, darf Dein Gegenüber sich an dieser Ruhe anlehnen und selbst ein Stück weiter aufmachen. Wenn Deine eigene Ladung anspringt, sobald jemand weint, wütend wird oder Dich infrage stellt, dann spürt er auch das, ganz egal, wie gut Deine Methode ist.
Das ist der Kern Deiner Arbeit, auch wenn er selten so klar ausgesprochen wird: Du kannst einem Menschen nur so viel Halt geben, wie Du Dir selbst geben kannst. Selbstregulation ist deshalb keine nette Zusatzkompetenz für Coaches, sie ist das eigentliche Werkzeug. Alles andere baut darauf auf. Und genau deshalb ist „Räum Deinen Scheiß auf“ für Dich als Coach kein Spruch, sondern Berufsethos. Jede Ladung, die Du bei Dir anschaust und regulierst, ist Raum, den Du Deinen Klienten schenkst. Jede, die Du liegen lässt, sitzt mit in jeder Sitzung.
Du kannst nur so weit begleiten, wie Du selbst gegangen bist
Vielleicht verstehst Du jetzt auch die Frage mit dem Geld noch einmal anders. Wenn Du in Deine eigene Regulation investierst, investierst Du nicht nur in Dich. Du investierst in jeden einzelnen Menschen, der in Zukunft vor Dir sitzen wird und sich an Deinem Nervensystem ausrichtet, ohne es zu wissen.
Stell Dir einmal vor, es ist ein Jahr später. Du sitzt einem Menschen gegenüber, der gerade durch seinen schwersten Moment geht, und Du merkst, dass Du einfach da bist, ruhig, präsent, ohne etwas retten oder beschleunigen zu müssen. Und Du spürst, wie sich Dein Gegenüber an dieser Ruhe entlang langsam wieder sortiert. Was müsste heute passieren, damit genau das in einem Jahr Deine Normalität ist?
Du kennst die Antwort. Du kennst sie wahrscheinlich schon länger, als Dir lieb ist.
Leichtigkeit heißt nicht, dass das Leben Dir nichts mehr abverlangt. Sie beginnt dort, wo Du aufhörst, Bedingungen und Erwartungen daran zu stellen, wie Dein Leben sein muss, damit Du Dich darin frei fühlen darfst. Und sie wächst mit allem, was Du aufräumst, bis plötzlich Platz ist, für Dich und für jeden Menschen, den Du auf seinem Weg begleitest.
Also: Hör auf, ‚Räum Deinen Scheiß auf‘ nur zu teilen. Hör auf, Dir einzureden, dass Du auf das „Bis“ wartest. Fang an, Dich zu leben.
Schluss mit dem "Bis": Dein nächster Schritt
Wenn Du merkst, dass Du lange genug auf Dein „Bis“ gewartet hast, dann komm zu einem meiner 2-Tages-Events: Geiles Leben, Warrior Days oder Coaching Days.
Nicht, damit Du danach mit zehn neuen Methoden nach Hause gehst und das nächste Zitat teilst, sondern damit Du anfängst, wirklich aufzuräumen. Damit Du wieder klarer unterscheiden kannst, was wirklich Deins ist, was wirklich dran ist und was endlich aufhören darf, ein Problem zu sein.
Und wenn Dich ein Thema schon so lange begleitet, dass Du es selbst kaum noch hören kannst, wenn Du schon hundertmal gesagt hast „irgendwann gehe ich das an“ und jetzt merkst: „Denys, ich will den Scheiß endlich loswerden“, dann komm zu mir ins Einzelcoaching nach Lachen in der Schweiz. Nimm 1.000 Euro mit und Dein Thema, mehr brauchen wir erst einmal nicht. Und falls Dein Kopf beim Lesen gerade schon „bis“ sagt: Du weißt inzwischen, wohin das führt. Für einen Termin melde Dich HIER.
Denn manchmal darfst Du Dich in Ruhe lassen, und manchmal weißt Du ganz genau, dass etwas dran ist. Die Kunst liegt darin, den Unterschied zu erkennen. Wenn es wirklich etwas zu tun gibt, dann tu es, ohne „Bis“. Und wenn nicht, lass Dich in Ruhe und leb Dein Leben.
Mit Herz,
Denys
